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Digitalisate aller Mikrofilme von Handschriften online

Im Jahr 1966, vor genau 60 Jahren, wurden im Rahmen eines großangelegten Unternehmens der Saint John’s University in Collegeville, Minnesota, welches sich den österreichischen Klosterbibliotheken widmete, auch die Handschriften des Schottenstifts mikroverfilmt. Hieraus erwuchs die Monastic Manuscript Microfilm Library, die später in Hill Monastic Manuscript Library umbenannt wurde und heute den Namen Hill Museum & Manuscript Library (HMML) trägt.

Bereits seit den 2000er-Jahren bestand die relativ unkomplizierte und vergleichsweise günstige Möglichkeit, für Forschungszwecke Digitalisate dieser Mikrofilme von HMML anfertigen zu lassen. Obwohl größtenteils nur schwarzweiß und bereits jahrzehntealt, erweisen sich diese Aufnahmen für die meisten Fragestellungen als völlig ausreichend, sodass im Laufe der Jahre zahlreiche Forschende, insbesondere aus dem Ausland, diese Alternative zum Textstudium vor Ort genutzt haben – wodurch wiederum auch die Handschriftenoriginale geschont wurden.

Nun aber wurde ein Schritt weitergegangen: Auf der Basis einer aktualisierten Vereinbarung zwischen HMML und Schottenstift wurden in den letzten Monaten auch alle noch ausstehenden Mikrofilme digitalisiert. Einst erfasst wurden neben allen mittelalterlichen Handschriften auch jene des 16. Jahrhunderts sowie vereinzelt jüngere Handschriften des 17. und 18. Jahrhunderts. Ab sofort sind daher sämtliche Mikrofilmdigitalisate von insgesamt 454 Handschriften des Schottenstifts online über den HMML Reading Room frei zugänglich.

Um dort den Gesamtbestand des Schottenstifts zu finden, ist eine Suche mit folgenden Kriterien notwendig: Country = Austria; City = Vienna; Library = Schottenstift. Alternativ kann natürlich auch auf das Webportal Manuscripta der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zurückgegriffen werden, wo die einzelnen Handschriften des Schottenstifts mit ihren jeweils korrespondierenden HMML-Datensätzen verlinkt sind.

Einige historische Notizen zur Mikroverfilmung im Schottenstift in den 1960er-Jahren finden sich übrigens in einem alten Blogbeitrag von Matthew Heintzelman, Kurator für Westeuropäische Handschriften und Spezialsammlungen der HMML, in welchem dieser auch die Eindrücke seines Besuchs im Schottenstift im Jahr 2013 festgehalten hat.

Digitalisat von Terenz-Handschrift online

Seit kurzem ist eine weitere Handschriften des Schottenstifts online im Webportal „Manuscripta.at – Mittelalterliche Handschriften in Österreich“ als Volldigitalisat frei einsehbar: Cod. 212 (Hübl 218) wurde Mitte des 15. Jahrhunderts in Wien geschrieben und enthält die Komödien des antiken römischen Dichters Publius Terentius Afer.

Die Digitalisate scheinen bereits vor 15 Jahren angefertigt worden zu sein, wurden jedoch erst jetzt auf einer CD-ROM wiederentdeckt und an das Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zur Online-Stellung weitergegeben!

Acht Volldigitalisate von Handschriften des Schottenstifts finden sich bereits seit 2017 auf Manuscripta.at, weitere Digitalisierungen sind nach Maßgabe der Möglichkeiten des Archivs geplant.

1418: Als aus Schotten »Schotten« wurden

Aus Anlass des 600. Jahrestages des Abzugs der irischen Mönche aus dem Wiener Schottenkloster im August 1418 widmet sich derzeit eine kleine Themenschau im Museum im Schottenstift den Ereignissen dieses Jahres und ihren Folgen. Die dort gezeigten Objekte seien auch an dieser Stelle kurz vorgestellt.

Sprach man im Mittelalter von Scotia, dann meinte man zunächst nicht das heutige Schottland, sondern die Insel Irland. Als Schotten (scoti) wurden daher vorrangig die Bewohner Irlands bezeichnet. Ausgehend vom Mutterkloster St. Jakob in Regensburg entstand im Laufe des 12. Jahrhunderts vor allem im süddeutschen Raum ein Verband irischer Benediktinerkonvente, die Schottenklöster genannt wurden. Durch Rekrutierungs- und Ausbildungsstationen in der irischen Heimat gelang es diesen über Jahrhunderte hinweg, ihre ethnische Geschlossenheit zu bewahren. Solche irischen Mönche meinte auch Herzog Heinrich II. Jasomirgott, als er in seiner Stiftungsurkunde für das 1155 von ihm in Wien gegründete Kloster festhielt, dass er allein Schotten auserwählt habe (solos elegimus Scottos), hier zu leben.

Urk 1161-04-21.1. Herzog Heinrich II.: Stiftungsurkunde des Schottenklosters (erste Fassung, Ausschnitt).
Urk 1161-04-21.1
Herzog Heinrich II.: Stiftungsurkunde des Schottenklosters (erste Fassung, Ausschnitt).

Im August 1418, 263 Jahre nach der Klostergründung, endet die Ära der irischen Mönche im Wiener Schottenkloster. Die Voraussetzungen dafür werden am Konzil von Konstanz und am Petershausener Provinzialkapitel geschaffen. Angesichts des nicht mehr funktionierenden Nachzugs aus Irland gestattet Papst Martin V. am 17. Jänner 1418 auf Bitten des österreichischen Herzogs Albrecht V. (später König Albrecht II.), dass auch andere als Iren (de Scotie et Ybernie) in das Wiener Schottenkloster aufgenommen werden dürfen. Er setzt damit die Exklusivitätsklausel der Stiftungsurkunde aus dem Jahr 1161 außer Kraft.

Urk 1418-01-17.2. Papst Martin V.: Erlaubnis zur Aufnahme nicht-irischer Mönche (Ausschnitt).
Urk 1418-01-17.2
Papst Martin V.: Erlaubnis zur Aufnahme nicht-irischer Mönche (Ausschnitt).

Im Zuge der beginnenden Melker Klosterreform kommt es im Sommer 1418 zur Visitation des Schottenklosters, die zunächst von 1. bis 7. August 1418 dauert und deren Ablauf in der Visitationsurkunde der päpstlichen Bevollmächtigten Abt Angelus von Rein und Prior Leonhard von Gaming beschrieben wird. Die eigentlichen Anliegen der Reform stellen für die irischen Mönche keine Schwierigkeit dar – sehr wohl aber die speziell auf die Ethnizität im Kloster bezogene Klausel. Vor die Wahl gestellt, auch Einheimische in ihre Reihen aufzunehmen oder auf das Kloster zu verzichten, entscheiden sie sich für eine Rückkehr in ihre Mutterabtei nach Regensburg. In der Visitationsurkunde findet sich die Auswanderungserklärung der letzten Iren; neben Abt Thomas genannt werden der Prior Laurentius und die Mönche Patricius, Donatus, Karolus, Mauritius und Finianus.

Urk 1418-08-07. Visitationsurkunde Abt Angelus’ von Rein und Prior Leonhards von Gaming für das Schottenkloster.
Urk 1418-08-07
Visitationsurkunde Abt Angelus’ von Rein und Prior Leonhards von Gaming.

Die förmliche Resignation des letzten irischen Abtes Thomas nehmen die päpstlichen Visitatoren am 9. August 1418 entgegen.

Urk 1418-08-09. Resignation Abt Thomas’ (Ausschnitt).
Urk 1418-08-09
Resignation Abt Thomas’ (Ausschnitt).

Umgehend wird nun das Kloster in Wien mit einheimischen Benediktinern aus Melk neu besiedelt. Zum neuen Abt ernennen die Visitatoren den Reformer Nikolaus von Respitz. Der Name „Schottenkloster“ bleibt jedoch erhalten.  1418: Als aus Schotten »Schotten« wurden weiterlesen

Digitalisate von acht Handschriften online

Seit wenigen Tagen sind acht Handschriften des Schottenstifts online im Webportal „Manuscripta.at – Mittelalterliche Handschriften in Österreich“ als Volldigitalisate frei einsehbar. Die Digitalisierung erfolgte probeweise im Frühjahr dieses Jahres, den speziellen Digitalisierungsapparat stellte der Betreiber des Portals, das Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, leihweise zur Verfügung.

Mit Blick auf potenzielle Benutzerinnen und Benutzer wurden primär einige besonders häufig (auch aus dem Ausland) angefragte Bücher ausgewählt, darüber hinaus aber auch ein paar, die im Kontext der Melker Reform stehen:

Wir hoffen, dass das Angebot auf Anklang stößt, und freuen uns über Feedback.

> > > Gesamtliste der Volldigitalisate des Schottenstifts auf Manuscripta.at

Relaunch von Manuscripta.at

Möchte man sich über Handschriften des Schottenstifts informieren, so ist das von der Abteilung Schrift- und Buchwesen des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften betriebene Webportal „Manuscripta.at – Mittelalterliche Handschriften in Österreich“ die erste und wichtigste Anlaufstelle. Das Portal wurde 2009 eingerichtet und hat nun erfreulicherweise im Sommer 2014 einen Relaunch erfahren, mit dem neue Daten und Funktionalitäten eingearbeitet wurden.     Relaunch von Manuscripta.at weiterlesen