Archiv der Kategorie: Objekte

P. Sigismund Gschwandner und das k.k. physikalisch-astronomische Kabinett

Unter den Schottenmönchen gab es – vor allem im 19. und 20. Jahrhundert – durchaus auch einige Naturwissenschaftler. Einer von ihnen war P. Sigismund Gschwandner (1824–1896). Dieser unterrichtete viele Jahre hindurch Mathematik, Physik und Philosophie am Schottengymnasium, dem er gegen Ende seines Lebens als Direktor auch vorstand.

Darüber hinaus war er zweimal Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Wien und bekleidete zudem von 1868 bis 1871 das Amt des Kustos des k.k. physikalisch-astronomischen Kabinetts, das damals einen Teil der Hofbibliothek bildete. Hier zu sehen ist das diesbezügliche Ernennungsdekret des Obersthofmeisteramts aus dem Jahr 1868.

P. Sigismund Gschwandner: Ernennung zum Kustos des k.k. physikalisch-astronomischen Kabinetts (1868).
P. Sigismund Gschwandner: Ernennung zum Kustos des k.k. physikalisch-astronomischen Kabinetts (1868).

Mehr zu P. Sigismund findet sich im Wikipedia-Artikel „Sigismund Gschwandner“.

Jahrtagsstiftung aus dem Jahr 1315

Vor genau 700 Jahren, am 16. Februar 1315, wurde diese Urkunde ausgestellt: Frau Maz (Mathilde) von Korneuburg, Witwe des Herrn Ulrich, stiftet sich damit einen Jahrtag im Schottenkloster, wozu sie demselben 4 ½ Pfund Pfennige Gülte und 46 ½ Pfennige, in der Alserstraße und auf der Neustift vor dem Schottentor gelegen, vermacht.

Urk 1315-02-16
Urk 1315-02-16

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Eine frühneuzeitliche Abschrift von Otfrids Evangelienbuch

Derzeit im Museum im Schottenstift ausgestellt ist eine frühneuzeitliche Abschrift des Evangelienbuchs des Otfrid von Weißenburg aus der Handschriftensammlung des Schottenstifts.

Das aus dem 9. Jh. stammende althochdeutsche Bibelepos, im südrheinfränkischen Dialekt geschrieben, gilt als das erste Werk in deutscher Sprache, das den Endreim anstelle des Stabreims verwendete – und damit eine über Jahrhunderte andauernde Formtradition begründete. Es handelt sich dabei um eine Evangelien­harmonie, also einen die vier Evangelien zusammenfassenden Text.     Eine frühneuzeitliche Abschrift von Otfrids Evangelienbuch weiterlesen →

Wahl und Resignation des Abtes Benedikt Schwab

Nicht einmal fünf Jahre währte die Regierungszeit des Abtes Benedikt Schwab, zu dem derzeit anlässlich des 350. Jahrestags seiner Abtwahl einige Archivalien im Museum im Schottenstift ausgestellt sind.

Nach dem Tod des Abtes Georg Mörth am 15. November 1664 kam es am 12. Jänner 1665 zur Abtwahl bei den Schotten, aus der P. Benedikt Schwab als neuer Abt hervorging. Dieser hatte sich vor allem als Seelsorger verdient gemacht, war lange Jahre Pfarrer in Pulkau und zuletzt in Gaunersdorf (heute Gaweinstal) gewesen. Aufgrund eines nicht näher berichteten Vorkommnisses kam es jedoch nur wenige Tage nach der Wahl zu einem Aufstand einiger Konventualen, der eine dreimalige Wiederholung derselben zur Folge hatte. Da die Anhängerschaft Schwabs genügend groß war, konnte er sich erneut durchsetzen, er hatte aber fortan mit einer innerklösterlichen Opposition zu kämpfen.     Wahl und Resignation des Abtes Benedikt Schwab weiterlesen →

Eine Predigt P. Hermann Schuberts

Einen prominenten Nachnamen hat P. Hermann Schubert (1826–1892) – und tatsächlich ist er ein jüngerer Halbbruder des Komponisten Franz Schubert (wenngleich sich ihre Leben nur um zwei Jahre überschnitten haben).  Bekanntheit erlangte P. Hermann als bei der vornehmen Wiener Gesellschaft beliebter Kanzelredner. So bekleidete er auch 27 Jahre lang das Amt des Stiftspredigers an der Schottenkirche.

Zahlreiche seiner Predigten erschienen im Druck, so etwa die hier wiedergegebene, die er 1855 bei der Hochzeit seines älteren Bruders Andreas hielt.

Mehr zu P. Hermann findet sich im Wikipedia-Artikel „Hermann Schubert (Benediktiner)“.

P. Karlmann Pachschmidt und seine Missa Sancti Carolomanni

In der Reihe der Schottenmönche finden sich nicht nur engagierte Seelsorger und gelehrte Wissenschaftler sondern auch begnadete Künstler. Ein solcher war der junge Mönch P. Karlmann Pachschmidt (1700–1734), der als Kapellmeister und Regens Chori des Schottenstifts zahlreiche überwiegend kirchenmusikalische Werke komponierte. Die meisten seiner Kompositionen haben sich im Musikarchiv des Stifts erhalten, einige davon auch autograph.

Besondere Beachtung hat bisher seine um 1725 komponierte Messe zu Ehren seines Namenspatrons, die Missa Sancti Carolomanni, erfahren – eine Edition davon erschien 2007 auch im Druck.1

Missa Sancti Carolomanni
Musikarchiv, B 1/3

Mehr zu P. Karlmann findet sich im Wikipedia-Artikel „Karlmann Pachschmidt“.

  1. Karlmann Pachschmidt (1700–1734), Missa Sancti Carolomanni. Sinfonia, ed. Alexander Opatrny (Denkmäler der Tonkunst in Österreich 154, Graz 2007). [↩]

Das Konzil von Konstanz und der Auszug der Iren

Heute vor 600 Jahren, am 5. November 1414, begann das Konzil von Konstanz, das als die größte Kirchenversammlung des Mittelalters gilt und an dem auch der Abt des Wiener Schottenstifts teilnahm. Doch das Konzil hatte darüber hinaus auch ganz konkrete Auswirkungen auf den Wiener Konvent.

Von 28. Februar bis 19. März 1417 tagte in der Reichsabtei Petershausen bei Konstanz das Provinzialkapitel für die Benediktinerklöster der Provinz Mainz-Bamberg, das sich mit verschiedenen Fragen der Ordensreform beschäftigte. Obwohl dies eigentlich den Provinzstrukturen widersprach, hatten hier alle in Konstanz weilenden deutschen Benediktiner ein aktives Stimmrecht. Die Statuten dieses Petershausener Kapitels wurden zwar nie offiziell vom Konstanzer Konzil approbiert, doch erfolgte eine indirekte Bestätigung. Die Durchsetzung aller Anliegen sollte durch Visitationen der Klöster erfolgen.     Das Konzil von Konstanz und der Auszug der Iren weiterlesen →

Plan des Konventfriedhofs Breitenlee

Das Gut Breitenlee, heute im 22. Wiener Gemeindebezirk, gehörte bereits im 12. Jahrhundert dem Schottenstift. Infolge des Verbots von Bestattungen innerhalb des Linienwalls durch Kaiser Joseph II. ließ Abt Benno Pointner (nach dem im 8. Bezirk der Bennoplatz und die Bennogasse benannt sind) neben der Pfarrkirche Breitenlee einen Friedhof für die Stiftsangehörigen errichten. 1807 war er selbst einer der ersten Mönche, die dort bestattet wurden.     Plan des Konventfriedhofs Breitenlee weiterlesen →

Zu Gast: Nigel Palmer und die Kirchheimer Klosterchronik

Vor einigen Tagen durften wir bei uns im Archiv den emeritierten Oxforder Germanisten Nigel F. Palmer begrüßen, der zur Benutzung der Kirchheimer Klosterchronik (Cod. 307 (Hübl 233)) nach Wien gekommen war.

Diese Chronik wird traditionell der Dominikanerin Magdalena Kremerin zugeschrieben, die 1478 mit sechs Mitschwestern vom elsässischen Kloster Sylo bei Schlettstadt in das württembergische Kloster Kirchheim unter Teck kam, um den dortigen Konvent zu reformieren. Die Handschrift des Schottenstifts ist eine von zwei Überlieferungen der Chronik, wobei es sich bei der anderen Handschrift, die heute im Hauptstaatsarchiv Stuttgart aufbewahrt wird, wohl um das Original handeln dürfte.     Zu Gast: Nigel Palmer und die Kirchheimer Klosterchronik weiterlesen →

Mittelalterliches Leserädchen

Beim Ordnen unserer Fragmentensammlung sind wir vor Kurzem auf ein Leserädchen gestoßen. Dieses mittelalterliche Lesezeichen funktioniert wie eine Leseschnur, die man einfach an der Stelle einlegt, an der man zu lesen aufgehört hat. Es hat aber ein zusätzliches Funktionsmerkmal: Bei zweispaltigen Seiten lässt sich mittels Drehens des Rädchens auch die Spalte festhalten, in der weitergelesen werden soll. Ein primitives und doch geniales System!

Fragm. var. 2

Beim Leserädchen handelt es sich streng genommen um kein Fragment, obwohl es wohl einer Handschrift entnommen wurde. Da aber nicht mehr nachvollziehbar ist, wohin es einst gehörte, und bei einem so kleinen Objekt die Gefahr natürlich groß ist, irgendwo verloren zu gehen, haben wir uns dazu entschlossen, es als Fragm. var. 2 in die Fragmentensammlung einzugliedern.

Brief Felix Mendelssohn Bartholdys

Eine Anfrage der Universität Leipzig, wo seit einigen Jahren eine Edition der Briefe des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy erarbeitet wird, war vor einiger Zeit Anlass dafür, diesen im Besitz unseres Archivs befindlichen Originalbrief Mendelssohns hervorzukramen.     Brief Felix Mendelssohn Bartholdys weiterlesen →

Kataloge der Grabdenkmäler im Schottenstift

Immer wieder ist das Archiv mit Anfragen zu Grabdenkmälern der Schottenkirche konfrontiert – sei es von Historikern, Kunsthistorikern oder Familienforschern. Nicht immer können diese zufriedenstellend beantwortet werden, da es in den seltensten Fällen Archivalien zu den Grabdenkmälern gibt. Das Schottenstift ist aber in der glücklichen Lage, über zwei im Druck erschienene Kataloge zu diesem Thema zu verfügen.     Kataloge der Grabdenkmäler im Schottenstift weiterlesen →

Statuten der Sebastianibruderschaft

Von anhaltendem Interesse für die Forschung sind die Bruderschaften, die an der Schottenkirche beheimatet waren. In den letzten Jahren hat es zu diesen zahlreiche Anfragen an das Archiv gegeben, im Jahr 2012 darüber hinaus auch eine Spezialführung in Museum, Kirche und Archiv für eine Seminargruppe von der Universität Wien.     Statuten der Sebastianibruderschaft weiterlesen →