Archiv der Kategorie: Stiftsbibliothek

Responsorium für das Hochfest des Hl. Benedikt

Zum Fest des heiligen Gregor des Großen, welches im Schottenstift als Patrozinium und somit als Hochfest begangen wird, sei auf einen kurzen Beitrag im letzten Pfarrblatt der Schottenpfarre verwiesen, in welchem Stiftschorleiter Georg Wais auf ein liturgisches Fragment des 12. Jahrhunderts zum Hochfest des heiligen Benedikt aus dem Bestand der Stiftsbibliothek eingeht, welches im Frühjahr 2026 von der Choralschola des Klosters zur Aufführung gebracht wurde:

Georg Wais, Gregorianischer Choral zur Buchpräsentation, in: Schottenpfarrblatt Nr. 95 (2026) 6.

Das gesamte Pfarrblatt ist auch online abrufbar.

Beschreibung und Verzeichnis der Inkunabelsammlung

Als Nachsatz zur bereits im Vorjahr abgeschlossenen Katalogisierung der Inkunabelsammlung, im Rahmen derer nicht nur sämtliche Inkunabeln des Schottenstifts im Gesamtkatalog des Österreichischen Bibliothekenverbunds verzeichnet wurden, sondern auch eine umfassendere Verzeichnung in der Archivdatenbank des Schottenstifts erfolgte, wurde nun auch eine Bestandsbeschreibung mit Gesamtverzeichnis der Inkunabelsammlung erstellt, welches über die Webseite der Bibliothek heruntergeladen werden kann.

Zwar existiert ein gedruckter Katalog des Bestands aus dem Jahr 1904,1 doch spiegelt dieser aufgrund von Signaturänderungen, Neuidentifizierungen und Veränderungen im Bestand in keinster Weise mehr die aktuelle Situation wider. Anders als die digitale Katalogisierung, welche die Auffindbarkeit bestimmter Einzelwerke erleichtert, bietet das nun erarbeitete Dokument einen Gesamtüberblick über den Bestand, der einen Eindruck von dessen Struktur und Entwicklung ermöglicht. So wurden hier zur besseren Orientierung auch jene physisch nicht mehr vorhandenen Inkunabeln, die im 20. Jahrhundert verkauft werden mussten, sowie einzelne Drucke (in erster Linie Postinkunabeln), die einst Teil der Sammlung waren, inzwischen jedoch an anderem Platz in der Bibliothek stehen, aufgenommen.

  1. Albert Hübl, Die Inkunabeln der Bibliothek des Stiftes Schotten in Wien (Wien–Leipzig 1904). [↩]

Zwei unterschiedliche Inkunabel-Ausgaben von Wilhelm Durands Speculum iudiciale aus 1499 bzw. 1501

Albert Hübls Inkunabelkatalog des Schottenstifts aus 1904 gibt unter der Nr. 176 einleitend folgende Angaben: 176. Duranti, Guilielmus: Speculum iudiciale cum additionibus Joannis Andreae et Baldi. Partes II, III, IV. Venedig, Baptista de Tortis, 17. Febr. 1493. Gr.-2°. 327 [90 Zll.] × 217 mm. [Pars III in 2 Exempl.].1

Es folgt eine genaue Beschreibung der drei vorhandenen Teile der Inkunabel sowie der Exemplarspezifika, wobei Hübl sich bei der Identifizierung etwas schwertut und lediglich vermerkt, dass es sich nicht um H *6515 handle. Inzwischen ist dieser Druck im Gesamtkatalog der Wiegendrucke als die 1499 von Bernardino Landriani herausgegebene und in Venedig bei Battista Torti gedruckte Ausgabe von Wilhelm Durands kanonistischem Werk identifiziert worden (GW 9161), die HC 6516 entspricht. Hübl war wohl irritiert von der Wiederverwendung des mit 1493 datierten Registerblatts der etwas älteren Ausgabe des gleichen Druckers (GW 9159), denn gleich folgend mit der Nr. 177 identifiziert er das einem der beiden Bücher beigebundene Inventarium speculi iudiciales des Berengar Frédol – bei ihm bezeichnet als „Duranti, Guilielmus: Repertorium ad speculum iudiciale“ – korrekt als HC 6516, also GW 9161.2

Was aus der Beschreibung Hübls nur schwer herauszulesen ist, ist der jeweilige Kontext der beiden angeführten Exemplare. Diese befanden sich einst an unterschiedlichen Stellen in der Bibliothek: Das eine Buch mit den Teilen 2 und 3 hatte die Signatur 31.a.7, das andere Buch mit den Teilen 3 und 4 sowie dem dazugehörigen Inventarium hatte die Signatur 59.b.9. Auf letzteren Band bezieht sich der bei Hübl zu lesende Vermerk des früheren Besitzers Liber Hainricj Rigl. Beide Bücher erhielten bei der Neuaufstellung der Inkunabeln gemeinsam mit den Handschriften in den 1910er-Jahren die Signatur Ink. 282, einmal mit dem Zusatz „(Hübl 176)“, einmal mit „(Hübl 176, 177)“. Die entsprechende Angabe im Gesamtkatalog der Wiegendrucke lautet verwirrenderweise „2 Ex., 1. Ex. Bl. 342-360, 2. Ex. Bl. 1-134 fehlen“, obwohl sie doch eigentlich „2 Ex., 1. Ex. Bl. 136-360, 2. Ex. Bl. 1-340 fehlen“ lauten müsste.3

Betrachtet man die beiden Bücher jedoch genauer, so stellt man fest, dass es sich keineswegs zweimal um die gleiche Manifestation handeln kann! Am deutlichsten wird dies bei der Schriftgröße der Blattzählung, welche beim ersten Buch deutlich größer ist als beim jedenfalls als GW 9161 anzusehenden zweiten Buch.

Es lag die Vermutung nahe, dass es sich beim ersten Buch mit den Teilen 2 und 3 und der ehemaligen Signatur 31.a.7 vielmehr um die Manifestation GW 9162 handle, von der der Gesamtkatalog der Wiegendrucke lediglich die Teile 1 und 2 kennt und eine Datierung in das Jahr 1499 vornimmt. Im Incunabula Short Title Catalogue (ISTC id00453300) wird dieser Druck jedoch, Douglas Osler folgend, eher um 1501 datiert und in Zusammenhang mit dem dezidiert aus 1501 vorhandenen Druck der Teile 3 und 4 sowie des Inventarium gesehen. Dieser Annahme folgten etwa auch die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) mit ihrem die Teile 1 und 2 umfassenden Exemplar (Ink 14.A.8) und die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol (ULBT) in Innsbruck mit ihrem lediglich den Teil 1 umfassenden Exemplar (105 B 3).

Da in der Österreichischen Nationalbibliothek an anderer Stelle auch ein weiterer Druck des Werkes katalogisiert war (79.Dd.33), der vermeintlich die Teile 1 bis 3 aus 1501 und somit die im Schottenstift vorhandenen Teile umfasste, wurden vor Kurzem die beiden Bücher der Nationalbibliothek gemeinsam mit dem fraglichen Buch des Schottenstifts nebeneinander im Original begutachtet. Dabei konnten folgende Erkenntnisse gewonnen werden:

  • Bei den beiden Exemplaren der Österreichischen Nationalbibliothek (Ink 14.A.8 und 79.Dd.33) handelt es sich um Teile der gleichen Ausgabe. Die Inkunabel-Teile 1 und 2 sind dort also doppelt vorhanden – die ÖNB somit um eine Inkunabel reicher!
  • Das aus zwei Bänden bestehende Exemplar 79.Dd.33 umfasst nicht nur, wie ursprünglich von der ÖNB katalogisiert, die Teile 1 bis 3 des Speculum iudiciale, sondern alle vier Teile und das dazugehörige Inventarium, ist also vollständig.
  • Somit wird die im ISTC geäußerte Vermutung bestätigt, dass es sich bei GW 9162 und die 1501 gedruckten Teile 3, 4 und Inventarium um eine Einheit handelt.
  • Beim Exemplar des Schottenstifts mit der ehemaligen Signatur 31.a.7, welches nun zur Unterscheidung von der ungleichen anderen Ausgabe die Signatur Ink. 282a erhalten hat, handelt es sich ebenfalls um Teile der gleichen Manifestation; beim ersten enthaltenen Teil 2 also um Teil 2 von GW 9162.

Inzwischen sind diese Erkenntnisse bereits in der Verbunddatenbank des Österreichischen Bibliothekenverbundes umgesetzt (https://permalink.obvsg.at/AC10848741 mit hierarchischer Beschreibung). Dank gilt Katharina Kaska, der Direktorin der Sammlung von Handschriften und alten Drucken der ÖNB, sowie Mira Krall, der für den Inkunabelbestand der ÖNB zuständigen Mitarbeiterin, für die unkomplizierte Ermöglichung des Originalvergleichs und die Anpassung und Erweiterung der Katalogisate. Mit Veröffentlichung dieses Beitrags wurden auch die Redaktionen des Gesamtkatalogs der Wiegendrucke und des Incunabula Short Title Catalogue über die Identifizierung in Kenntnis gesetzt.

  1. Albert Hübl, Die Inkunabeln der Bibliothek des Stiftes Schotten in Wien (Wien–Leipzig 1904), 89–91 Nr. 176. [↩]
  2. Ebd., 91 Nr. 177. [↩]
  3. Der Gesamtumfang des Drucks GW 9161 ohne Inventarium beträgt 528 Bl. (inklusive leerer Blätter): Teil 1 Bl. 1–134, Teil 2 Bl. 135–340, Teil 3 Bl. 342–360, Teil 4 Bl. 361–527. [↩]

Digitalisate aller Mikrofilme von Handschriften online

Im Jahr 1966, vor genau 60 Jahren, wurden im Rahmen eines großangelegten Unternehmens der Saint John’s University in Collegeville, Minnesota, welches sich den österreichischen Klosterbibliotheken widmete, auch die Handschriften des Schottenstifts mikroverfilmt. Hieraus erwuchs die Monastic Manuscript Microfilm Library, die später in Hill Monastic Manuscript Library umbenannt wurde und heute den Namen Hill Museum & Manuscript Library (HMML) trägt.

Bereits seit den 2000er-Jahren bestand die relativ unkomplizierte und vergleichsweise günstige Möglichkeit, für Forschungszwecke Digitalisate dieser Mikrofilme von HMML anfertigen zu lassen. Obwohl größtenteils nur schwarzweiß und bereits jahrzehntealt, erweisen sich diese Aufnahmen für die meisten Fragestellungen als völlig ausreichend, sodass im Laufe der Jahre zahlreiche Forschende, insbesondere aus dem Ausland, diese Alternative zum Textstudium vor Ort genutzt haben – wodurch wiederum auch die Handschriftenoriginale geschont wurden.

Nun aber wurde ein Schritt weitergegangen: Auf der Basis einer aktualisierten Vereinbarung zwischen HMML und Schottenstift wurden in den letzten Monaten auch alle noch ausstehenden Mikrofilme digitalisiert. Einst erfasst wurden neben allen mittelalterlichen Handschriften auch jene des 16. Jahrhunderts sowie vereinzelt jüngere Handschriften des 17. und 18. Jahrhunderts. Ab sofort sind daher sämtliche Mikrofilmdigitalisate von insgesamt 454 Handschriften des Schottenstifts online über den HMML Reading Room frei zugänglich.

Um dort den Gesamtbestand des Schottenstifts zu finden, ist eine Suche mit folgenden Kriterien notwendig: Country = Austria; City = Vienna; Library = Schottenstift. Alternativ kann natürlich auch auf das Webportal Manuscripta der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zurückgegriffen werden, wo die einzelnen Handschriften des Schottenstifts mit ihren jeweils korrespondierenden HMML-Datensätzen verlinkt sind.

Einige historische Notizen zur Mikroverfilmung im Schottenstift in den 1960er-Jahren finden sich übrigens in einem alten Blogbeitrag von Matthew Heintzelman, Kurator für Westeuropäische Handschriften und Spezialsammlungen der HMML, in welchem dieser auch die Eindrücke seines Besuchs im Schottenstift im Jahr 2013 festgehalten hat.

Bibliothekskatalog online

Wer bislang den Bibliotheksbestand des Schottenstifts (abseits von Handschriften und Inkunabeln) benutzen wollte, war vor allem auf den zehnbändigen handschriftlichen Katalog der Stiftsbibliothek angewiesen, der nur vor Ort eingesehen werden kann und dazu manche Lücke aufweist; darüber hinaus auf einige weitere handschriftliche Spezialkataloge und ‑listen sowie für den neueren Bestand auf einen maschinenschriftlichen Zettelkatalog. Seit 2022 arbeitet das Schottenstift jedoch als Mitglied des Österreichischen Bibliothekenverbundes (OBV) an einer kontinuierlichen digitalen Retrokatalogisierung, vorerst mit Fokus auf den historischen Druckschriftenbestand vor 1900. Diese erfolgt direkt im cloudbasierten Bibliothekssystem Alma-ASP, neue Katalogisate scheinen in der Regel bereits am Folgetag online auf.

Eine Online-Suche im Bestand des Schottenstifts ist über einen Direkteinstieg in die Suchmaschine des Bibliothekenverbundes möglich: https://search.obvsg.at/obv-at-schotten.

Auch bei einer allgemeinen Suche nach einem bestimmten Suchbegriff im gesamten Verbundkatalog kann die Ergebnisliste anhand des Filters „Bibliothek“ auf Ergebnisse aus dem Schottenstift eingeschränkt werden.

Einer von mehreren Vorteilen der Katalogisierung im Rahmen des OBV ist die Möglichkeit der Übernahme einer hohen Zahl an vorhandenen Titeldatensätzen aus dem Verbund, da es vor allem mit der Österreichischen Nationalbibliothek und der Universitätsbibliothek Wien viele Überschneidungen im Bestand gibt. Zugleich wird aber auch eine nicht geringe Zahl an Katalogisaten vom Schottenstift neu in die Verbunddatenbank eingebracht – werden also zahlreiche Werke überhaupt erstmals in Österreich nachgewiesen.

Die Gesamtzahl der Katalogisate des Schottenstifts nähert sich derzeit mit schnellen Schritten immerhin der 10.000er-Marke. Bei rund der Hälfte davon handelt es sich um vor 1800 erschienene Werke. Bereits abgeschlossen ist die Katalogisierung des gesamten Inkunabelbestands, welcher zuvor nur über dezentrale Plattformen recherchierbar war.

Eine vollständige Katalogisierung des Bibliotheksbestands des Schottenstifts – Schätzungen gehen von rund 200.000 Bänden aus – wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen (sofern sie überhaupt jemals erreicht werden kann), doch jede Woche kommen online neue Titel hinzu. Es lohnt sich also, immer wieder einen Blick in den Verbundkatalog zu werfen. Für die online noch nicht erfassten Druckschriften bleibt zumindest weiterhin die Option der Recherche im handschriftlichen Bandkatalog vor Ort.

Aktualisierung am 26. März 2026:
Das Beitragsbild wurde hinzugefügt.

Geo-Reportage über Brotkäferbefall

In der jüngsten Ausgabe des Geo-Magazins vom März 2026 ist eine Reportage über den am Naturhistorischen Museum Wien tätigen Schädlingsexperten Pascal Querner erschienen, in welcher auch der im Vorjahr aufgetretene (und vorerst erfolgreich bekämpfte) Brotkäferbefall in der Bibliothek des Schottenstifts thematisiert wird.

Geo 03/2026 (Foto: Klaus Pichler).

Musikeditionen der Sakralwerke Joseph Eyblers

Mit zu den bedeutendsten Beständen der Musiksammlung des Schottenstifts zählt der musikalische Nachlass des Komponisten Joseph Eybler (1765–1846). Dieser war von 1794 bis 1824 Regens­chori im Schottenstift, ab 1804 aber auch Vizehofkapellmeister unter Antonio Salieri und ab 1824 dessen Nachfolger als Hofkapellmeister. Die autographen Urtexte seiner eigenen Kompositionen überließ Eybler jedoch seiner ehemaligen Wirkungsstätte, dem Schottenstift.

Bereits seit einigen Jahrzehnten erfährt Eyblers Musik wieder verstärkte Aufmerksamkeit. Seit Kurzem arbeitet nun der Salzburger Musikverleger Wolfgang Esser-Skala an einer Gesamtedition von Eyblers Sakralmusik. Die Besonderheit dabei: Sämtliche Partituren und Stimmen der Edition Esser-Skala werden als freie Inhalte veröffentlicht und können kostenlos als PDFs heruntergeladen werden. Darüber hinaus sind von ausgewählten Werken gedruckte Partituren zum Selbstkostenpreis über Kindle Direct Publishing erhältlich.

Momentan sind sieben Messen und 40 kürzere liturgische Gesänge verfügbar; aus dem Bestand des Schottenstifts stammen die Missa Sancti Josephi, die Missa Sancti Leopoldi, die Missa Sancti Michaelis, die Missa Sancti Mauritii und die Missa Sancti Wolfgangi sowie 35 kürzere Werke. Weitere Editionen sollen folgen.

Eine weitere Vitas Patrum-Inkunabel im Schottenstift

In der Inkunabelsammlung des Schottenstifts findet sich eine Ausgabe des hagiographischen Werkes Vitas patrum, welche im Gegensatz zu drei anderen Ausgaben nicht vom gedruckten Inkunabelkatalog Albert Hübls aus 1904 erfasst wurde und somit bislang offenbar keinen Eingang in gängige nationale und internationale Kataloge erfahren hat.1 Wie sich nun ergeben hat, handelt es sich bei Ink. 25b um ein Exemplar der um 1478/80 bei Johann Zainer in Ulm gedruckten Ausgabe des Werks (GW M50882, ISTC ih00200000), dem jedoch das Register (10 Bl.) sowie fol. 1–9 und fol. 375 fehlen.

Diese dem Buch sowohl am Beginn als auch am Ende fehlenden Blätter hatten bislang eine schnelle Identifizierung erschwert. Der aus dem 19. Jahrhundert stammende schmucklose Einband des Buches deutet darauf hin, dass es wohl erst um diese Zeit vom Schottenstift erworben worden sein dürfte. Auf dem Katalogzettel des Bibliothekars Othmar Helferstorfer (1838–1861, Abt 1861–1880) wird das Buch mit der Standortsignatur 57.d.5 ohne weitere Details schlicht als „Sin. tit. Vitae Sanctorum“ beschrieben. Diese Bezeichnung findet sich auch im späteren Bandkatalog des Bibliothekars Vincenz Knauer (1878–1894) – durchaus in Unterscheidung zu den danach als „Vitae Patrum“ benannten Büchern.

Der Bibliothekar Albert Hübl (1901–1931), der nicht nur die gedruckten Kataloge der Handschriften (1899) und Inkunabeln (1904) verfasste, sondern um 1909 auch die Neuaufstellung bei gleichzeitiger Neusignierung dieser Bestände vornahm, erkannte das Buch zwar als Inkunabel, identifizierte es aber nicht korrekt. In seinem Handexemplar des gedruckten Inkunabelkatalogs trug er das Buch mit der Katalognummer 263b als „Jacobus de Voragine, Historia Lombardica ?!“ ein, wobei die eigentlich nicht existierende Katalognummer lediglich der alphabethischen Einordnung bei Jacobus diente und sonst keine Implikationen hatte.2 Mit der Signatur „25b“ wurde es in die Inkunabelsammlung eingereiht, was darauf hindeutet, dass dies erst nach der Neuaufstellung der Sammlung irgendwann in den 1910er- oder 1920er-Jahren erfolgt sein dürfte. Auch diese Signatur hat keine spezielle Bewandtnis und dürfte bei der nach Formaten aufgestellten Sammlung schlicht auf eine für einen Einschub günstige Position im Regal hindeuten.

Da diese für die Sammlung ungewöhnliche Signatur offenbar irritierte, wurde Ink. 25b ab Ende des 20. Jahrhunderts nach der Rückstellung eines als Postinkunabel erkannten Buches auf dessen ursprünglichen Standort in der Alten Bibliothek intern vorübergehend unter dessen freigewordener Signatur Ink. 43 geführt. Zur Vermeidung von Verwirrungen wurde die Vitas patrum-Ausgabe, deren Umsignierung ohnedies nie veröffentlicht worden ist, nun jedoch wieder auf Ink. 25b rücksigniert.

Ink. 25b, fol. 10r. – Vitas patrum (Ulm, um 1478/80). Im Exemplar des Schottenstifts ist dies das erste Blatt.
Ink. 25b, fol. 10r. – Vitas patrum (Ulm, um 1478/80). Im Exemplar des Schottenstifts ist dies das erste Blatt.

Dass es sich bei dem Buch nicht um die Legenda aurea, sondern um eine Ausgabe der Vitas patrum handelt, ist bald ersichtlich, wenn man sich ein wenig mit den betreffenden Werken auseinandersetzt. Anhand von im Internet einsehbaren Volldigitalisaten verschiedener Ausgaben konnte vonseiten der Stiftsbibliothek nun aber auch relativ leicht die konkrete Ausgabe identifiziert werden.3 Mit Veröffentlichung dieses Beitrags wurden auch die Redaktionen des Gesamtkatalogs der Wiegendrucke, des Incunabula Short Title Catalogue sowie des Inkunabelzensus Österreich über die Identifizierung in Kenntnis gesetzt.

  1. Albert Hübl, Die Inkunabeln der Bibliothek des Stiftes Schotten in Wien (Wien–Leipzig 1904). Die enthaltenen Ausgaben sind Hübl-Nr. 243 = GW M50868 (eingebunden in Cod. 371), Nr. 244 = GW M50888 (Ink. 258) sowie Nr. 245 = GW M50858 (Ink. 162, möglicherweise jedoch eine Postinkunabel). [↩]
  2. Dass Hübl, der 1913 sogar zum Mitglied der österreichischen Inkunabelkommission berufen worden war, sich nicht weiter um eine Identifizierung des Werks bemühte, mag wohl mit seiner Mehrfachbelastung als Bibliothekar, Archivar, wissenschaftlich tätiger Historiker, Lehrer und ab 1919 auch Direktor des Schottengymnasiums zusammenhängen. Zu seiner Person siehe den Beitrag P. Albert Hübl – Bibliothekar, Archivar, Gymnasialdirektor in diesem Blog. [↩]
  3. Einen Überblick über vorhandene Volldigitalisate bietet die Sachtitelseite in der Datenbank des Gesamtkatalogs der Wiegendrucke. Ein Digitalisat der vorliegenden Ausgabe stellt die Bayerische Staatsbibliothek über das Münchener DigitalisierungsZentrum bereit. [↩]

Neue Ordnungen für Archiv und Bibliothek

Bereits seit eineinhalb Jahren stehen im Schottenstift Archiv und Bibliothek unter einer gemeinsamen Leitung. Um jedoch die jeweiligen Eigenheiten dieser beiden miteinander verknüpften, aber doch grundsätzlich voneinander zu unterscheidenden Einrichtungen weiterhin besser berücksichtigen zu können, wurden nun zum einen die bestehende Archivordnung überarbeitet und zum anderen eine gänzlich neue Bibliotheksordnung erlassen. Letztere lehnt sich zwar an erstere an, weist aber dort, wo es notwendig ist – etwa bei den Zwecken und Aufgaben oder bei der Benutzungsberechtigung – auch wesentliche Unterschiede auf. Ergänzt werden diese beiden Ordnungen durch eine überarbeitete gemeinsame Benutzungsordnung, welche sich sowohl an externe als auch an interne Benutzerinnen und Benutzer richtet.

Alle drei Ordnungen treten mit 1. Juli 2023 in Kraft und können über die Webseiten des Archivs und der Bibliothek (jeweils im Bereich „Information“) heruntergeladen werden.

Booking! Bibliophile Städtetrips

Schnell einmal mit dem Zug nach Venedig, Prag oder Budapest fahren, ein romantisches Wochenende in Paris verbringen, kurz dem süßen Leben in Rom frönen, ganz modern nach Kopenhagen jetten oder doch nur auf eine Nacht nach Graz oder Laibach düsen – egal ob große europäische Metropole oder einfach nur kleine benachbarte Hauptstadt: Fremde Städte waren immer schon Sehnsuchtsorte. Sind es heute Pandemie und Flugscham, die uns an Kurzurlauben dorthin hindern, so konnten sich Menschen früherer Generationen meist ausschließlich mit den Augen zu solchen Städtetrips aufmachen. Als Reisegefährt dienten ihnen dabei oftmals auch spezielle Bücher, welche sie mit detailreichen Stadtansichten im Kopf an die gewünschte Destination brachten. Was heute der handliche Reiseführer und der prachtvolle Fotoband sind, waren einstmals bebilderte Landesbeschreibungen, umfangreiche Topografien und abenteuerliche Reiseberichte.

Das Museum im Schottenstift lädt dazu ein, sich anhand einer kleinen Themenschau zu einer Rundreise zu den Städten Europas aufzumachen, an deren Ende der älteste aller jüdisch-christlichen Sehnsuchtsorte, Jerusalem, steht!

Die nach dem Herausgeber Hartmann Schedel sogenannte Schedelsche Weltchronik erschien 1493 in einer lateinischen und einer deutschen Fassung. Die darin enthaltenen Holzschnitte, darunter auch zahlreiche mehr oder weniger authentische Stadtpanoramen, stammen aus der Nürnberger Werkstatt von Michael Wolgemut, dem Lehrer Albrecht Dürers, und Wilhelm Pleydenwurff. Der hier gezeigten Ansicht von Venedig diente ein etwas älterer Holzschnitt von Erhard Reuwich aus 1486 als Vorlage.

Ansicht von Venedig. In: Hartmann Schedel: Liber chronicarum (Nürnberg, 1493).
Ink. 84 (Hübl 416), fol. 43v/44r. – Ansicht von Venedig. In: Hartmann Schedel: Liber chronicarum (koloriert) (Nürnberg, 1493).

Das vom Kölner Theologen Georg Braun und vom flämischen Kupferstecher Franz Hogenberg von 1572 bis 1618 in sechs Bänden herausgegebene Stadtansichtenbuch Civitates Orbis Terrarum war an den erstmals 1570 gedruckten Weltatlas Theatrum Orbis Terrarum des Kartografen Abraham Ortelius angelehnt. Es enthält Ansichten von Städten nicht nur in Europa und Asien, sondern auch in Afrika und sogar Amerika. Diese Doppelansicht Kopenhagens von Land und von See her verdeutlicht die Stellung der dänischen Hauptstadt als Handelsmetropole.  Booking! Bibliophile Städtetrips weiterlesen →

Archiv und Bibliothek unter einer Leitung

Bereits seit über einem halben Jahr in Geltung, an dieser Stelle aber bislang noch nicht kundgetan, ist eine wesentliche neue Kompetenzverteilung im Bereich von Archiv und Bibliothek des Schottenstifts:  Mit Wirkung vom 1. Jänner 2022 wurde Stiftsarchivar Maximilian Alexander Trofaier zusätzlich zu seinem bisherigen Amt von Abt Nikolaus Poch zum Stiftsbibliothekar ernannt und ihm damit die Leitung der gesamten Stiftsbibliothek übertragen. Seine Zuständigkeit umfasst somit neben der bereits zuvor vom Stiftsarchiv betreuten Handschriften- und Inkunabelsammlung sowie der Musiksammlung vollumfänglich auch die sogenannte „Alte Bibliothek“ (die älteren Buchbestände sowie die Numismatische Sammlung und die Grafiksammlung als nicht direkt bibliothekische Sondersammlungen) und die sogenannte „Neue Bibliothek“ (die neueren Buchbestände).

Archiv und Bibliothek sind grundsätzlich voneinander zu unterscheidende Einrichtungen mit jeweils eigenen Zwecken und Methoden – allerdings gibt es zwischen diesen beiden Entitäten auch eine Fülle an Berührungspunkten und Überschneidungen. Im Stiftsarchiv wurden in den vergangenen zehn Jahren eine Reihe von wichtigen Maßnahmen gesetzt und Strategien entwickelt, die nun auch in der Stiftsbibliothek zur Anwendung kommen können. Durch die Vereinigung der Leitung von Archiv und Bibliothek werden nun nicht nur Synergieeffekte in den Bereichen der Administration (v. a. bei Aufgaben- und Projektmanagement, Ressourcen- und Sicherheitsmanagement, Budgetplanung und Dokumentation), der Bestandserhaltung (bei Prävention, Konservierung und Restaurierung), der Nutzbarmachung und Vermittlung (v. a. bei Benutzerbetreuung, Ausstellungswesen und Öffentlichkeitsarbeit) sowie der Infrastruktur erzielt, sondern es ergeben sich aufgrund der Vermeidung doppelter Strukturen auch mehr Kapazitäten für die tatsächliche Bestandserschließung.

Unterstützt wird Trofaier weiterhin von seiner Mitarbeiterin Archivarin Larissa Rasinger, die nun auch Aufgaben als Bibliothekarin wahrnimmt, sowie vom bisherigen Stiftsbibliothekar P. Augustinus Zeman, dem weiterhin die wissenschaftliche Betreuung der Münzen und Medaillen obliegt. Um den Ankauf der theologischen Literatur kümmert sich bis auf Weiteres noch dessen Vorgänger P. Georg Braulik.

Besuch des irischen Staatspräsidenten im Schottenstift

Im Rahmen eines offiziellen Besuchs in Österreich besuchten der Präsident von Irland, Michael D. Higgins, und seine Frau Sabina Higgins am 7. April 2022 das Schottenstift. Zur Delegation gehörten auch der irische Staatsminister für Europäische Angelegenheiten, Thomas Byrne, und der irische Botschafter in Wien, Eoin O’Leary. Empfangen wurde Präsident Higgins von Altabt Johannes Jung, welcher den aufgrund unvorhergesehener Umstände verhinderten Abt Nikolaus Poch vertrat. In seinen Begrüßungsworten erinnerte Abt Johannes an die gerade in den letzten Jahrzehnten wiedergeknüpften Beziehungen zwischen Irland und dem Schottenstift, an den Besuch des irischen Präsidenten Patrick Hillery im Kloster im Jahr 1986, die lebendigen Kontakte zu irischen Historikerinnen und Historikern sowie die Zusammenarbeit bei verschiedenen Veranstaltungen.

In der Bibliothek wurden den Gästen dann einige mittelalterliche Schriftdokumente zur irischen Periode des Klosters präsentiert. Von seiner Gründung 1155 bis zum Jahr 1418 lebten im Wiener Schottenstift bekanntlich nur irische Mönche, die dem Verband der sogenannten „Schottenklöster“ angehörten. Bereits im 12. Jahrhundert wurde der Gedenktag des irischen Nationalheiligen Patrick im Kloster begangen und auch heute noch wird die alljährliche offizielle Messe zum St. Patrick’s Day der irischen Gemeinde in Wien im Schottenstift gefeiert. Den passenden Rahmen der Bibliothek nutzte Präsident Higgins für die Übergabe eines Gastgeschenks für das Kloster, einer wertvollen Faksimileausgabe einer Handschrift der Irischen Nationalbibliothek Dublin des „Defensorium inviolatae virginitatis Mariae“ des Dominikaners Franz von Retz, welcher im 15. Jahrhundert an der Universität Wien lehrte.

Präsident Higgins in der Bibliothek des Schottenstifts (Foto: Maxwells Photography/Áras an Uachtaráin)
Foto: Maxwells Photography/Áras an Uachtaráin.

Nach einem kurzen Austausch mit Schülerinnen und Schülern des Schottengymnasiums bewunderten die Gäste in der Romanischen Kapelle die Reste des ursprünglichen irischen Kirchenbaus sowie die Madonnenstatue „Unsere Liebe Frau zu den Schotten“ aus dem 13. Jahrhundert. Im Anschluss spendete Abt Johannes einen irischen Reisesegen und Mitglieder des Konvents intonierten das „Salve Regina“.

Nachdem sich Präsident Higgins im Gästebuch des Klosters verewigt hatte, überreichte ihm Abt Johannes drei Präsente des Hauses: eine Druckgrafik des 2011 verstorbenen Künstlers Ernst Degasperi, eine Kerze mit einer Darstellung des Vortragekreuzes der Schottenkirche, welches in der Form eines Keltenkreuzes an die irischen Ursprünge des Klosters erinnert, sowie einige Flaschen des klostereigenen Weins Wiener Gemischter Satz DAC „Scottos“.

Foto: Maxwells Photography/Áras an Uachtaráin.

Dieser Beitrag erschien am 8. April 2022 parallel auch auf der Website des Schottenstifts (www.schotten.wien). Dort finden sich weitere Fotos des Besuchs.

Neu entdeckte Fragmente des Tetrachordum musices

Die alltägliche Erschließungsarbeit steckt voller Überraschungen und Zufälle; so auch bei jüngst erfolgten Verzeichnungsarbeiten in der Fragmentensammlung: Bereits 2021 mussten bei der Restaurierung von Cod. 250 die völlig desolaten Deckel ersetzt werden. Diese bestanden aus zu einer Art Kartondeckel zusammenkaschierten Papierblättern, unter denen nach der Auseinanderlösung auch verschiedene Fragmente zum Vorschein kamen. Bei zwei Blättern handelt es sich, wie sich nun herausstellte, um die Blätter F1 und F2 des vom Humanisten Johannes Cochlaeus verfassten Werks Tetrachordum musices.1 Unmittelbare Relevanz für das Schottenstift erhält das Werk durch die Beteiligung Benedikt Chelidonius’, dessen Todestag sich zufälligerweise im gleichen Jahr zum fünfhundertsten Mal jährte. Die aus diesem Anlass noch bis 12. Februar laufende Themenschau „Benedictus Chelidonius: Ein Poet als Abt“ im Museum im Schottenstift widmet sich dem Leben und Wirken dieses bedeutenden Vertreters des Klosterhumanismus und beleuchtet auch seine vielfältigen Beziehungen zu anderen wichtigen Humanisten seiner Zeit. Für das nun fragmentarisch vorliegende Tetrachordum musices Cochlaeus’ lieferte er ein lateinisches Widmungsgedicht; ein weiteres steuerte der ebenfalls mit Chelidonius befreundete Willibald Pirckheimer bei.

StiB Fragm. imp. 17A und 17B: Rectoseiten.
StiB Fragm. imp. 17A und 17B: Rectoseiten.

Bei dem Werk handelte sich um ein einflussreiches Schulbuch zur Kirchenmusik, das erstmals 1511 bei Johann Weißenburger in Nürnberg in den Druck kam. Es folgte eine weitere Auflage bei Johann Stuchs 1512, bevor der Druck weiterer Auflagen an Friedrich Peypus ging. Bei den vorliegenden Fragmenten handelt es sich um zwei Blatt des vierten Kapitels über die Mensuralmusik aus der dritten Auflage von 1514 bzw. der ersten aus der Offizin von Peypus. Obwohl Chelidonius das Widmungsgedicht schon ab der ersten Auflage beisteuerte, ist keine Ausgabe des Tetrachordum in der Bibliothek des Schottenstifts erhalten. Da die Trägerhandschrift Cod. 250 bereits im 15. Jahrhundert im Besitz des Schottenklosters war, dürfte die Neubindung – wohl im 19. Jahrhundert – im Stift erfolgt sein. Hierfür wurde offenbar u.a. ein in der Bibliothek vorhanden gewesenes Exemplar des Tetrachordum makuliert und zur Neubindung des mittelalterlichen Codex recycelt. Heute sind die beiden Blätter die einzige bekannte Repräsentation der dritten Auflage des Tetrachordum musices in Österreich.

StiB Fragm. imp. 17A und 17B: Versoseiten.
StiB Fragm. imp. 17A und 17B: Versoseiten.
  1. Verzeichnis der Drucke des 16. Jahrhunderts (VD 16) C 4403. [↩]

Benedictus Chelidonius: Ein Poet als Abt

Abt Benedictus Chelidonius (1518–1521), der am 8. September 1521 verstarb, ist trotz seiner nur sehr kurzen Amtszeit einer der prominentesten Äbte des Schottenstifts. Er gilt als wichtiger Vertreter des sogenannten Klosterhumanismus. Bedeutung erlangte er als neulateinischer Lyriker, der mit dem humanistischen Kreis um Konrad Celtis, Albrecht Dürer, Willibald Pirckheimer, Johannes Cochläus und Caritas Pirckheimer in Austausch stand. Seinen Nachruhm sichern ihm auch heute noch seine drei gemeinsam mit Dürer verwirklichten Arbeiten aus dem Jahr 1511.1 In der Vergangenheit ist er in erster Linie ob seiner Dichtungen und Briefwechsel im Fokus wissenschaftlicher Betrachtungen gestanden. Aus Anlass seines 500. Todestages unternimmt eine kleine Themenschau im Museum im Schottenstift derzeit erstmals den Versuch, mit wenigen Objekten sowohl den Poeten als auch den Abt Benedictus Chelidonius in den Blick zu nehmen.

Der um 1460 geborene Chelidonius, der stets die gräzisierte Form seines Familiennamens Schwalbe benutzte,2 war zunächst Mönch im Egidienkloster in seiner Heimatstadt Nürnberg. Als solcher verfasste er 1511 für einen heute verlorenen Glasfensterzyklus im Kreuzgang seines Heimatklosters einen kurzen Katalog der Äbte des Klosters seit dem Jahr 1418.3 Dieser erschien Jahrzehnte später gemeinsam mit seinen Versen zur Klostergründung in Kaspar Bruschs Geschichte der Klöster Deutschlands im Druck.

StiB 93.d.25/1, fol. 47v. Benedictus Chelidonius: Verse zu Gründung und Äbten des Egidienklosters in Nürnberg. In: Kaspar Brusch: Monasteriorum Germaniae praecipuorum ac maxime illustrium centuria prima (Ingolstadt, 1551).
StiB 93.d.25/1, fol. 47v. – Benedictus Chelidonius: Verse zu Gründung und Äbten des Egidienklosters in Nürnberg. In: Kaspar Brusch: Monasteriorum Germaniae praecipuorum ac maxime illustrium centuria prima (Ingolstadt, 1551).

Chelidonius’ künstlerisch ambitioniertestes Werk ist die Passio Jesu Christi salvatoris mundi. Darin beschreibt er die Passion Christi im heilsgeschichtlichen Kontext in 36 Einzelgedichten in unterschiedlichsten antiken Metren.4 Erstmals nach 1506 mit Holzschnitten Hans Wechtlins in Straßburg erschienen, wurde das Werk nochmals 1511 mit Holzschnitten Albrecht Dürers (sogenannte Kleine Holzschnittpassion) in Nürnberg sowie postum 1526 in Köln aufgelegt. Das Schottenstift besitzt eine 1514 in Krakau erschienene Ausgabe mit wieder anderen Holzschnitten, die in der Forschung bislang keine Rezeption erfahren hat.  Benedictus Chelidonius: Ein Poet als Abt weiterlesen →

  1. Hier eine vollständige Bibliographie zu Chelidonius zu bieten, ist nicht möglich. An Überblicksdarstellungen genannt seien: Paulus Volk, Art. Chelidonius (Schwalbe), Benedictus, in: NDB 3 (1957) 195f.; Johannes Staub, Art. Chelidonius (Schwalbe), Benedictus, in: LThK3 2 (1994) Sp. 1032f.; Uwe Harten, Art. Chelidonius (eig. Schwalbe, lat. Hirundo), Benedictus OSB (gen.: Musophilus), in: OeML 1 (2002) 266, auch online unter http://www.musiklexikon.ac.at/‌ml/musik_C/Chelidonius_Benedictus.xml; Manfred Knedlik, Art. Chelidonius (Schwalbe), Benedictus, in: BBKL 20 (2002) Sp. 293–296; Claudia Wiener, Art. Chelidonius (Schwalbe; Hirundo, Musophilus), Benedictus, in: HumVL 1 (2008) 427–439; Franz Posset, Renaissance Monks. Monastic Humanism in Six Biographical Sketches (Studies in Medieval and Reformation Traditions 108, Leiden–Boston 2005): Kap. A Graecian, Christian Poet, and Playwright: Benedictus Chelidonius, Monk of Nuremberg, Abbot of the Schottenstift, Vienna, 63–92. [↩]
  2. In einem frühen Werk verwendet er einmal die latinisierte Form Hirundo. [↩]
  3. Hierzu zuletzt: Hartmut Scholz, Die mittelalterlichen Glasmalereien in Nürnberg: Sebalder Stadtseite (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland 10/2, Berlin 2013) 376–379, auch online unter https://corpusvitrearum.de/publikationen/editionen/editionen/cvma-x-2.html. Das Nürnberger Egidienkloster war wie das Wiener Schottenstift ein ehemaliges irisches Schottenkloster. [↩]
  4. Vgl. hierzu u. a. Maria Kisser, Die Gedichte des Benedictus Chelidonius zu Dürers Kleiner Holzschnittpassion (ungedr. Dissertation Universität Wien 1964). [↩]

Weihnachten 2020

Cum venit igitur plenitudo temporis, ut ait Apostolus, misit Deus Filium suum, factum de muliere, factum sub Lege, ut eos qui sub Lege erant redimeret, in adoptionem filiorum Dei reciperemus. – Als aber die Zeit erfüllt war, wie der Apostel sagt, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft Gottes erlangen.

Mit diesem Zitat nach dem Brief des Apostels Paulus an die Galater (Gal 4,4-5) beginnt die Distinctio I des dritten Buchs der Sentenzen des Petrus Lombardus aus dem 12. Jahrhundert, welches sich eingangs mit der Inkarnation beschäftigt. In einer Handschrift des Schottenstifts aus dem 15. Jahrhundert, einer Schenkung des Wiener Universitätslehrers Urban von Melk, wird dieser Text begleitet von einer wunderbaren historisierenden Deckfarbeninitiale, die dieses Jahr auch als Motiv eines neuen Weihnachtsbillets diente (und zudem die Titelseite des aktuellen Pfarrblatts der Schottenpfarre ziert).

Cod. 257 (Hübl 262), fol. 5r (Ausschnitt): Petrus Lombardus, Sententiarum libri tertius et quartus: liber III, distinctio I (15. Jh.).
Cod. 257 (Hübl 262), fol. 5r (Ausschnitt)
Petrus Lombardus, Sententiarum libri tertius et quartus: liber III, distinctio I (15. Jh.).

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest, besinnliche Feiertage und alles Gute im neuen Jahr!